Zucker – vom Luxusprodukt zur Massenware

Lange Zeit war Zucker in unseren Breiten ein Luxusgut und Honig das einzige Mittel, speisen zu süßen. Dabei entdeckten die Einwohner Melanesiens bereits von 10.000 Jahren, dass sich aus Zuckerrohr ein Süßungsmittel herstellen ließ. Von den Inseln im Süppazifik breitete sich die Pflanze und das Wissen um Ihre Nutzung erst über Südwestasien aus. In Indien liegt die Wurzel für den Namen des Zuckers: Das altinidische Wort „śárkarā“ bezeichnete alles Zerriebene oder Körnige und wurde später auf den Zucker übertragen.

Eine erste Hochzeit erlebte der Zucker unter den Persern, die um 600 nach Christus den süßen Stoff als Zuckerhut fertigten – eine Methode, die lange Zeit genutzt wurde und hierzulande Dank der Feuerzangenbowle noch im Einsatz ist.

Zucker in Europa

Die Araber brachten den Zuckerrohranbau auch nach Europa; im 9. Jahrhundert wurde die Pflanze in den eroberten Gebieten auf Sizilien, Malta oder in Spanien angebaut. Mit den Kreuzzügen im 11. Jahrhundert und der Rückeroberung Südeuropas, fand der Zucker auch an den europäischen Höfen Einzug. Zu dieser Zeit war das süße Wunder unsagbar teuer und noch ausschließlich den hohen Herrschaften vorbehalten.

Schon kurz nach der Entdeckung Amerikas brachte Christopher Columbus das Zuckerrohr in die Karibik und damit begann eines der dunkelsten Kapitel der Zucker-Geschichte. Aus Afrika entführte Menschen bauten als Sklaven das „süße Gold“ an, das eine wichtige Rolle im internationalen Warenaustausch spielte.

Zuckerrübe schlägt Zuckerrohr

An der Abhängigkeit vom Zuckerrohr änderte sich erst etwas, als der deutsche Chemiker Andreas Sigismund Marggraf entdeckte, dass man auch aus Rüben Zucker gewinnen kann. Gut 50 Jahre später, im Jahr 1802, ging die erste Zuckerrübenfabrik in Schlesien in Betrieb. Der Blockade der Handelswege durch Napoleon ist es zu verdanken, dass sich der Zucker aus Rüben in kürzester Zeit durchsetzte und den aus Zuckerrohr hergestellten Süßstoff schnell verdrängte. Heute wird der Bedarf in Euro fast vollständig durch Zucker aus Zuckerrüben gedeckt.

Industrialisierung der Zuckerproduktion

Mit dem Sieg der Zuckerrübe setzte im 19. Jahrhundert eine Industrialisierung der Zuckerproduktion ein. Heute gehört Deutschland zu den Top 10 der zuckerproduzierenden Ländern; in über 25.000 landwirtschaftlichen Betrieben werden auf einer Anbaufläche von fast 300.000ha Zuckerrüben angebaut. Aus 22,5 Millionen Tonnen Zuckerrüben entstanden im Wirtschaftsjahr 2016/17 über 3,5 Millionen Zucker. Verwendung fand diese Menge in der Zucker verarbeitende Industrie (vor allem Getränkehersteller und Milch verarbeitende Industrie), im Handwerk, in der chemischen Industrie bzw. der Fermentationsindustrie sowie 10% als Haushaltszucker (Angaben Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.).

Ein Gedanke zu „Zucker – vom Luxusprodukt zur Massenware

  1. Pingback: Zucker ist nicht gleich Zucker - Die Zuckerarten | My-Zuckerstick.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.